Das positive Denken und Ich: So führen wir eine gesunde Beziehung.

Zeit für eine Anekdote

Vor ungefähr zwei Jahren war ich mitten im Studium und voller Pläne. Die Klausuren hinter mir und große Ideen vor mir, startete ich vergnügt in den Sommer, zusammen mit meiner großen Liebe - meinem Wanderrucksack. Zunächst sollte es mein Traum-Praktikum in Frankfurt sein, und anschließend ein zweimonatiger Roadtrip durch die Balkan-Länder. Mit den nötigsten Dingen und ohne einen festen Plan.

Aber die Dinge entwickelten sich anders als geplant: Bevor es überhaupt losging, stürzte ich unglücklich beim Indoor-Klettern und brach mir meinen Fuß. Genauer gesagt, meine Ferse, und glaubt mir, das ist ne ziemlich fiese Angelegenheit. Ich musste also alles absagen, zog wieder zu meinen Eltern, saß zwei Monate im Rollstuhl gefolgt von noch zwei Monaten auf Krücken, und endlosen Stunden bei meiner Physiotherapeutin. Und meine Träume blieben genau das - Träume.

Jedoch ließ ich mir durch den Unfall nicht die Freude am Leben nehmen, obwohl es mir viel, viel Kummer bereitet hat. Man nehme eine Handvoll unglaublich unterstützender Menschen, ein ächzender Rollstuhl auf schmalen Kopfsteinpflasterstraßen, eine gute Prise schwarzen Humor. Dazu noch ein paar verrückte Jungs, die meine Hinterrad-Balance an ihre Grenzen treiben und ich, ganz und gar unfähig, nicht zu lachen. Ganz viel Eis und vorzugsweise eine Wasserpistole. Und stellt euch mal vor wie ich auf einem Bein Slalom zum Seeufer gehüpft bin, und wie ein toter aber glücklicher Fisch auf dem Wasser schwebte, um die 40°C auszuhalten. Irgendwie doch Glück im Unglück. Mit meiner Familie und Freunden, die mir den Sommer ermöglichten.

Wenn ich heute darauf zurückblicke und mir der Entscheidungen bewusst werde, die ich im Anschluss an dieses Ereignis getroffen habe, bin ich auf eine gewisse Art und Weise dankbar für die Erfahrung. Ich habe das Leben aus einer anderen Sicht kennengelernt, die mich bescheidener gemacht hat. Und als ich an ganz andere Orte gereist bin als gedacht, lernte ich wundervolle Länder und Menschen kennen, die mir nun ein zweites Zuhause bieten.

Was ich dir damit sagen will?

Egal, wohin dich das Leben führt, du weißt nie, wofür es letztendlich gut ist. Ich weiß, es ist einfach gesagt: Denk positiv. Aber sich weiter und weiter aufzuregen und zu sorgen, das nützt einfach nichts. Wenn du ständig die dunklen Kummerwolken über deinem Kopf nährst, wie soll dann wieder die Sonne scheinen? Lass dir stattdessen doch mit einer neuen Perspektive frischen Wind um die Nase wehen, und dann verschwinden die Wolken ganz von selbst. Setz dich hin, gönn dir ne ruhige Tasse Heißgetränk deiner Wahl, und sei einfach mal nur präsent. Ohne Aufgabe. Das braucht Zeit, aber Schritt für Schritt sehen die Dinge weniger tragisch aus. Und wenn du irgendwann mal zurückblickst, wirst auch du feststellen: Irgendwie sollte es doch so sein.

Foto von birdwinks.net.